(Februar 2026)
Verbundenheit mit Menschen in über 150 Ländern prägt den Weltgebetstag – ein Gebet von Frauen und für die Welt. In diesem Jahr haben Frauen aus Nigeria die Liturgie gestaltet und teilen Erfahrungen von Glauben, Mut und Widerstandskraft. Ihre Stimmen erzählen vom Alltag zwischen Hoffnung und Herausforderung, von Ungerechtigkeit und dem Vertrauen auf Gottes Gegenwart. Zugleich wird sichtbar, dass Nigeria eines der intellektuell prägendsten Zentren des afrikanischen Feminismus ist. Es ist ein Land, in dem Frauen seit Generationen für ihre Rechte kämpfen.
Am 6. März 2026 richtet sich der Blick auf Nigeria, ein Land der Superlative: über 230 Millionen Menschen, mehr als 250 Ethnien, über 500 Sprachen. Ein dynamisches Land mit reicher Kultur, aber auch geprägt von Konflikten, Armut und Gewalt. Das Motto „Kommt! Bringt eure Last.“ greift die sichtbaren und unsichtbaren Bürden auf, die viele Frauen tragen. Der historische Widerstand nigerianischer Frauen reicht weit zurück – etwa zum „Aba Women’s War“ von 1929, als tausende Frauen gegen koloniale und patriarchale Strukturen protestierten. „Die Geschichten gehen unter die Haut“, beschreibt eine Teilnehmerin einer Vorbereitungstagung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen (EFHiW).
Das Titelbild der Künstlerin Gift Amarachi Ottah zeigt Frauen, die Ernten und Sorgen tragen. Eine Studientag-Teilnehmende nannte es „eine Einladung hinzusehen, nicht weg“. Terror, Umweltzerstörung und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag vieler Nigerianerinnen. Und dennoch erzählen sie von Mut: von Müttern, die ihre Töchter trotz Bedrohungen zur Schule schicken, von Witwen, die Unterdrückung überwinden, von Gründerinnen, die Hoffnung schaffen. Diese Kraft zeigt sich auch in der nigerianischen Literatur – Autorinnen wie Chimamanda Ngozi Adichie, Flora Nwapa oder Buchi Emecheta prägen weltweit feministische Debatten.
Pfarrerin Lindtraut Belthle‑Drury beschreibt die Bildungsarbeit der EFHiW als „eine Möglichkeit, die Welt mit den Augen anderer zu sehen“. Die Spiritualität der nigerianischen Frauen inspiriere, „weil sie zeigt, wie Glaube Kraft schenkt, selbst unter schwersten Bedingungen“. Moderne Netzwerke wie die Feminist Coalition oder das Nigerian Feminist Forum setzen sich gegen Gewalt, für Bildung und politische Teilhabe ein – oft im Spannungsfeld zu einer weiterhin konservativen Gesellschaft.
Ökumene wird lebendig, wenn Christinnen weltweit die Worte nigerianischer Frauen aufgreifen. Die Vorbereitungen auf den ersten Freitag im März laufen vielerorts auf Hochtouren; die Multiplikatorinnen-Schulungen sind abgeschlossen, in den Gemeinden beginnt die Umsetzung des Gottesdienstes. Eine Teilnehmerin fasst zusammen: „Die Frauen in Nigeria tragen viel – und doch schenken sie Hoffnung.“
Die EFHiW bot ein breites Spektrum an Vorbereitungsmöglichkeiten: Werkstatt‑Tagungen, Einführungstage sowie Online‑Abende zu Themen wie Menschenhandel, Bibelarbeit oder starken Frauen in Politik und Friedensarbeit. Beim Studientag des Bezirksverbands Unna z.B. machten Informationen zu Land und Lebenswirklichkeit, Gruppenarbeiten und Bibelarbeit deutlich, wie schwer einerseits die Lasten andererseits die Stärken vieler Nigerianerinnen wiegen. Im Probe-Gottesdienst legten die Teilnehmenden symbolisch Steine am Altar ab – ein Moment, den eine Besucherin selbst als „befreiend und stärkend“ empfand.
So vorbereitet entstehen in vielen Gemeinden Veranstaltungen und Gottesdienste am Freitag, den 6. März, die den Ruf der nigerianischen Frauen weitertragen. Ihr Einsatz ist Teil einer panafrikanischen Tradition weiblichen Widerstands, die weit über Nigeria hinausstrahlt.